Thematic Area 4 – Geforderte Herrschaft

Geforderte Herrschaft

Sprecher: Sebastian Grätz

Herrschaft und damit verbunden Aneignung, Aushandlung, Erhalt und Verlust von Macht, aber auch Herrschaftslosigkeit, sowie ein breites Spektrum hiermit verknüpfter Konflikttypen (z. B. Sturz eines Herrschers oder Eskalationen bis hin zum Krieg) stellen zentrale Herausforderungen dar, und zwar sowohl für einzelne Akteure als auch für Gemeinschaften und Gesellschaften. Zugleich können die Etablierung und Absicherung von Herrschaft durch die Etablierung eines Herrschaftsapparates oder die Einführung bürokratischer oder gesetzlicher Herrschaftsinstrumente aber auch eine Reaktion auf verschiedene Bedrohungen wie die eines umkämpften oder herrschaftsfreien Raumes sein, also als Bewältigungsstrategie dienen. Herrschaft von Individuen über unterschiedlich begründete und strukturierte Gemeinschaften entsteht im Spannungsfeld zwischen diesen Polen, sie strebt mit unterschiedlichen Methoden und Praktiken auf der einen Seite nach der Überwindung von Bedrohungen (u.a. durch das Bemühen um Legitimation), auf der anderen Seite nach Expansion. Dabei kann Herrschaft sich um die Lösung von Konflikten bemühen oder auch selbst Konflikte innerhalb der Gemeinschaft oder mit äußeren Kräften verursachen.

Die Thematische Area ‚Geforderte Herrschaft befasst sich mit dem Zeitraum von den ältesten Stadtstaaten des Alten Orients bis in die europäische (Vor-)Moderne. Hieraus ergibt sich, dass zumeist Monarchien als (zumindest nominelle) Herrschaft eines Individuums über eine Gemeinschaft im Fokus stehen. Betrachtet werden vor allem solche Herausforderungen der Organisation von Herrschaft und des Umgangs mit Konflikten, die zum Teil voraussehbar und erfahrungsbasiert sind, so dass sie, als solche wahrgenommen und konzeptualisiert, mit einer prospektiven Planung zu bewältigen sind. Mit dem Blick auf die Rezeption solcher traditionsreichen Ideen von Herrschaft und herausgeforderter Herrschaft in der Erforschung und musealen Vermittlung nicht-staatbildender metallzeitlicher und frühmittelalterlicher Kulturen nördlich der Alpen wird zudem untersucht, wie die Gegenwart der Forschung deren Perspektiven auf vergangene Herrschaften und deren Herausforderungen prägt.

Projekte

T4.1 Die (Re-)Konstruktionen vormoderner Herrscherfiguren zwischen Herausforderung und Behauptung Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Prof. Dr. Sebastian Grätz, Prof. Dr. Heike Grieser, Prof. Dr. Ludger Körntgen, Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Prof. Dr. Doris Prechel, Dominic Bärsch
T4.2 Frauen im Umfeld des Herrschers Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Prof. Dr. Sebastian Grätz, Prof. Dr. Heike Grieser, Prof. Dr. Ludger Körntgen, Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Prof. Dr. Doris Prechel
T4.3 Ein Herrscher oder viele? Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Prof. Dr. Sebastian Grätz, Prof. Dr. Doris Prechel
T4.4 Permanent in Frage gestellte Herrschaft und ihre Darstellung im Liber historiae Francorum Dr. Roland Zingg
T4.5 Herrscher und Beherrschte im Krieg Prof. Dr. Heike Grieser, Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch
 T4.6 Standardisierung Prof. Dr. Fleur Kemmers, Verena Niebel M.A.
 T4.7 Herrschaft im Museum. Studie zur musealen Darstellung vor- und frühgeschichtlicher Herrschaftskonzepte im 19. und 20. Jahrhundert Dr. Susanne Grunwald

 

Mitglieder

Prof. Dr. Heide Frielinghaus

Prof. Dr. Sebastian Grätz

Prof. Dr. Heike Grieser

Dr. Susanne Grunwald

Prof. Fleur Kemmers

Prof. Dr. Ludger Körntgen

Verena Niebel M.A.

Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch

Prof. Dr. Doris Prechel

Dr. Roland Zingg