The topic of ‘rulership’ is closely related to the central questions of our TLRA. On the one hand, the act of ruling faces the constant challenge of legitimizing itself and of developing as well as communicating programmatic content for this purpose. On the other hand, it is confronted with the practical-strategic task of attaining, securing and exercising its power against diverse challenges. Certain forms of rule have proven to be very resilient over a long time. At the same time, however, the establishment and safeguarding of rule by setting up a ruling apparatus or introducing bureaucratic standards or legal instruments of a regime can also be a reaction to various threats, such as that of a contested or rule-free space, i.e., it can function as a coping strategy.
The projects take both challenges faced by an individual and by communities and the specific relationship between individual and collective threats into account. The reaction to a perceived threat can lead to contingent or intentional changes of events, and non-linear dynamics.
The projects in TA 4 are oriented towards material and literary studies and examine the topic at turning points that were critical for the exercise and maintenance of rulership. Specifically, they focus on the oriental-occidental cultural area in the time span from prehistory and early history to the European Middle Ages. This diachronic and cross-cultural compilation of areas seems suitable for uncovering patterns of perception, conceptualization and coping strategies as well as for describing and analyzing them in a transdisciplinary discourse.
In the first funding phase conferences, publication projects and third-party funding applications were successfully realized (e.g., DFG network group “Kraftprobe Herrschaft. (Re-)Konstruktionen von vormodernen Herrscherfiguren zwischen Herausforderung und Behauptung”) or are in progress (e.g., DFG Zingg: “Liber historiae Francorum”). The next step is to further expand existing funding (e.g., an application for a DFG research group “Die Figur des vormodernen Herrschers zwischen Herausforderung und Behauptung”) as well as to deepen the transdisciplinary exchange with locally based research projects (e.g., RTG 2304 “Byzantium and the Euro-Mediterranean Martial Cultures”, Grieser/Pahlitzsch) and to bring together the results of the joint work in a suitable form.
In der Person eines politischen Oberhauptes kumulieren Bewältigungskonzepte verschiedener Herausforderungen, die situativ unterschiedlich wahrgenommen werden. Schriftliche und bildliche Quellen (zeitgenössisch, historisch, rezent wissenschaftlich) ermöglichen es, die Figur eines Herrschers zu (re-)konstruieren, die je nach Bedarf unterschiedliche Zuschreibungen erfährt bzw. Rollen ausfüllt. So amalgieren z. B. durch Projektionen und Erwartungen einerseits typische, andererseits individuelle Züge zu einer konstruierten oder abstrahierten Figur. Diese kann ambivalent konnotiert sein und als medial vermitteltes Herrscherbild selbst zur Herausforderung werden.
In dem Projekt wird es zunächst darum gehen, im interdisziplinären Vergleich mehrere Typen von Herrscherfiguren zu beschreiben sowie in transkultureller Perspektive nach möglichen epochen- bzw. kulturspezifischen Varianten zu fragen. In einem zweiten Schritt ist auf Bedingungen und Kontexte der Konstruktion bestimmter Herrscherfiguren zu reflektieren. Hierbei ist zu fragen, welche Figuren eingesetzt werden, um (a) das Entstehen/Bestehen einer Herausforderung retrospektiv zu erklären; (b) jeweils situationsbezogen oder auch situationsübergreifend eine prospektive Handlungsempfehlung zu generieren. Auf diese Weise soll kultur- und epochenübergreifend das Potential genauer bestimmt werden, welches die Konstruktion von bestimmten Herrscher-Bildern jeweils im Rahmen von Wahrnehmung, Konzeptualisierung und Bewältigung von Herausforderungen bot.
Konkret sollen in diesem Zusammenhang die Figuren
- des alten Herrschers
- des kranken, verletzten und sterbenden Herrschers
- des fremden Herrschers
- des gut bzw. schlecht beratenen Herrschers
- des langjährigen Herrschers
- des reformierenden Herrschers
analysiert werden. Die hier definierten ‚Typen‘ beziehen sich auf die physische Verfassung des Herrschers (1, 2) und erforschen die Argumentationsstruktur der Herrscherdarstellung sowie die gesellschaftliche Reaktion. Ethnische oder religiöse Hintergründe eines Herrschers (3, 4) generieren Diskurse, die als Bewältigungsstrategien zu beschreiben sind. Schließlich können intensive Kontinuität (5) und Diskontinuität (6) von Herrschaft, die mit einem einzelnen Herrscher in Verbindung stehen, besondere gesellschaftliche Reaktionen hervorrufen. Die auf diese Weise entstehenden Querschnittsbereiche beinhalten einerseits Herausforderungen wie körperliche Konstitution oder soziale Gegebenheiten, andererseits aber auch Lösungsstrategien wie den Rekurs auf Berater oder Kontakte nach außen.
Project team members
Betrachtet werden sowohl Frauen, die quasi als Ko-Regentinnen bzw. Herrscherinnen an der Seite des Herrschers erscheinen, als auch Frauen im näheren Umfeld eines männlichen Herrschers (Ehefrauen, Mütter, Schwestern, Konkubinen etc.). Zu fragen ist, in welchen Konstellationen Frauen in Machtzentren besonders präsent sind und welche Funktion diese weiblichen Figuren für die Konzeptualisierung von Herrschaft sowie die Kategorisierung des jeweiligen Herrschers erfüllen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Frage, welche Rolle Frauen bei der Bewältigung der Herausforderungen spielen, mit denen der Herrscher jeweils konfrontiert ist (aktiv, Eigendarstellung, Fremddarstellung). Im weiteren Fokus steht darüber hinaus die (variierende oder gleichbleibende) Beurteilung dieses weiblichen Engagements von den zeitgenössischen Quellen bis hin zur modernen Forschungsliteratur.
Project team members
Kriege, ob symmetrische oder asymmetrische, stellen nicht nur für vormoderne Herrscher, sondern auch für die Gemeinschaften eine in vielfacher Hinsicht existenzielle Herausforderung dar. Abhängig von deren mitunter auch widerstreitenden Interessen werden verschiedene Bewältigungsstrategien entwickelt, die von der theoretischen, mitunter religiösen Legitimation des Krieges – bzw. Krieg als Bestandteil einer Legitimationsstrategie – über die Herstellung von Waffen und Entwicklung von militärischen Strategien über die Klärung des Umgangs mit Gefangenen, Kranken und Toten bis hin zur Interpretation von Siegen und Niederlagen reichten. Ob sich ein Herrscher im Anschluss an der Macht halten kann, hängt darüber hinaus wesentlich davon ab, wie die entstehenden Kriegsnarrative über ihn urteilen bzw. inwiefern er diese zu manipulieren versteht.
Das Projekt ist eine themenbezogene Kooperation mit einzelnen Beteiligten des GRK 2304: „Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen. Austausch, Abgrenzung und Rezeption“ und versteht sich als Form der gezielten Nachwuchsförderung.
Project partners
Project team members
Zwischen dem Tod des letzten im ganzen Frankenreich akzeptierten Merowingerkönigs (Dagobert I., †639) und der herrschaftlichen Festigung durch die Karolinger Karl Martell und Pippin d. J. Mitte des 8. Jh. war Herrschaft von verschiedenen Seiten her permanent unter Druck und in Frage gestellt. Weder der Untergang der Merowinger noch der Aufstieg der Karolinger waren folgerichtige oder gar zwingende Entwicklungen im realhistorischen Sinne; es war vielmehr eine sich über Jahrzehnte erstreckende, diskontinuierliche Verschiebung realer Macht, die nicht wenig auch vom dynastischen Zufall abhing. Das Projekt verfolgt die Frage, in welcher Weise der Liber historiae Francorum diese kontingenten Prozesse darstellt und in Sinnzusammenhänge einordnet, sie zu einer knappen und eingängigen Geschichtsdarstellung verwebt und somit ein konkludentes Narrativ erschafft. Dieses Narrativ stellt nicht nur die konkrete Bewältigung von Herausforderungen herrscherlicher Macht deutend und kommentierend dar, sondern trägt – insbesondere durch die aktualisierte Zweitfassung (ca. 790) – selbst zur erinnernden Bewältigung der politischen Erschütterungen des Frankenreichs bei. Durch den Vergleich von erster und zweiter Fassung fokussiert das Projekt sowohl auf die Funktion des Narrativs in Hinblick auf Wahrnehmung und Konzeptualisierung als auch auf die Bewältigung von Herrschaftskrisen.
Project team members
The Top-level Research Area “Challenges” is funded by the Rhineland-Palatinate Research Initiative.