Die (Vor)sorge für ein gesundes Leben, die Sorge um Erkrankte oder der Tod von Individuen können für Individuen und Gemeinschaften wiederkehrende oder sogar dauerhafte Herausforderungen darstellen. Zwar treten bei allen biologischen Lebewesen Erkrankungserscheinungen auf, wie diese jedoch wahrgenommen/bewertet werden und wie ihnen zu begegnen ist, unterscheidet sich in unterschiedlichen Zeiten und Räumen voneinander.  Die Umsorgung des Lebens ist sicherlich eine der grundlegenden Herausforderungen, die nicht zwingend mit dem Tod endet. Gerade die Nachsorge für den Toten und die damit verknüpften Jenseits-, Transzendenz- und Transformationsvorstellungen stellen schließlich Praktiken der Bewältigung und Konzeptualisierung dar, die dazu dienen können, den Tod seiner existenziellen Endgültigkeit zu entziehen. Was jeweils als gesund und krank galt und wann ein Individuum als verstorben angesehen wurde, ist ein wichtiges Untersuchungsthema. Hieran sind Fragen sowohl der Wahrnehmung von Gesundheit, Krankheit und Tod als auch von deren Konzeptionalisierungen und Bedeutungen geknüpft. Ob Gesundheit, Krankheit und Tod als Zustände von Körper und Psyche verstanden oder als Prozesse ohne feste Grenzen gesehen wurden, und damit ganz unterschiedliche Herausforderungen ergaben, die von praktischen Sorgepraktiken bis hin zu philosophischen Fragen des gelingenden und guten Lebens führten, ist ein weiterer, wichtiger Untersuchungsgegenstand der Area.

In der Thematischen Area ‚Umsorgtes Leben‘ wird in verschiedenen Teilprojekten untersucht, welche dieser Unterscheidungen in der Vergangenheit mit Bedeutungen versehen waren und zu Herausforderungen wurden. Die Herausforderungen sind dabei eng verknüpft mit Vorstellungen des ‚richtigen‘ und ‚falschen‘ Lebens, der Resilienz und körperlichen Abwehrkräfte, des Verfalls durch Krankheit und Altern, des Todes und der Vorbereitung eines ‚Nachlebens‘. Dadurch können Fragen der Gesunderhaltung, des psychischen oder körperlichen Stresses, der Erinnerung in ihren jeweiligen altertumswissenschaftlichen und rezenten Kontexten gestellt und beantwortet werden.

Aktuelle Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://www.leiza.de/forschung/projekt/alt-werden-archaeologische-studien-zu-materieller-biopolitik

Altern ist nicht nur ein biologischer Vorgang, sondern durchzieht auch soziale, politische und kulturelle Bereiche des Lebens. Das Projekt verbindet all diese Bereiche, indem sie als Modi der Differenzkonstruktion verstanden und als ‚materielle Biopolitik‘ des Altwerdens konzeptualisiert werden sollen. Anhand archäologisch dokumentierter Fallstudien soll im Projekt ein theoretischer Rahmen zur Analyse solcher Differenzkonstruktionen entworfen werden.

Altern verstehen wir als die vielschichtigen bio-psycho-sozialen Veränderungen des Lebens, die erst in ihren wechselseitigen materiellen, körperlichen und sozialen Verflechtungen wirksam werden. Wir untersuchen Alter daher nicht als kalendarische Eigenschaft einer Person oder eines Körpers, sondern als Prozess der Verflechtung mehr-als-menschlicher Zusammenhänge. Das bedeutet, dass das Altwerden durch andere Menschen (Familie, Generationsfolge, soziale Gruppe) und Dinge („altersgemäße“ Kleidung, unpassende/passende Nahrung, Architektur, Bilder) wahrgenommen, verglichen, bewertet, ausgesprochen, beeinflusst und damit wiederholt „erzeugt“ wird. Dieser Prozess ist sozial, materiell, körperlich geprägt und von Machtverhältnissen durchzogen. Deshalb konzentriert sich das Projekt konsequent auf die ‚materielle Biopolitik‘ des Altwerdens.

Im Projekt sollen aus einzeln bereits durchgeführten Studien zu oben genannten biopolitischen Aspekten ein konsistenter theoretischer Rahmen geschaffen werden, wie einerseits die Mikropolitiken sozialer Praktiken, die zwischen einer Vielzahl von Akteuren ausgehandelt werden und andererseits die Makropolitiken gesellschaftlich praktizierter Entscheidungen, Regelungen und Institutionen zusammengebracht werden.

Eine wesentliche Rolle spielen dabei die durch die Praktiken konstruierten Differenzen, die in ständiger Bewegung sind. In Anlehnung an die Konzepte des ‚Anders-Werdens‘ bei Gilles Deleuze und Rosi Braidotti, sowie des ‚Gemeinsamen Werdens‘ bei Donna Haraway versucht das Projekt, Altwerden als ‚Alt-Werden‘ bzw. ‚Zusammen-Alt-Werden‘, als einen nichtlinearen Prozess aus multiplen Brüchen, Verflechtungen, Relationierungen und Materialisierungen zu konzeptualisieren.

Dieser wird durch die jeweiligen zu historisierenden materiellen Biopolitiken gesteuert, mit denen über das eigene und fremde Leben, dessen Regulierung, Verbesserung, aber auch Kontrolle, Optimierung und Ausbeutung entschieden wird. Es gilt daher, für eine Konzeption des ‚Alt-Werdens‘ den Blick auf eben jene Differenzkonstruktionen im Rahmen antiker Biopolitiken zu werfen, da durch sie erst gemeinsame Erfahrungen des erlebten Miteinander des Altwerdens möglich werden.

Projektmitarbeitenden

In den vorislamischen Persischen Reichen (von den Achämeniden bis zu den Sasaniden), lassen sich unterschiedlichste kulturelle Einflüsse fassen. Diese resultieren einerseits aus der heterogenen Bevölkerungszusammensetzung, andererseits sind sie weitreichenden Kontakten zu Nachbarländern zuzuschreiben. Die Perser pflegten sowohl zu Konflikt- als auch in Friedenszeiten regen Kontakt mit ihren Nachbarn. Die Handelsbeziehungen zu den Nachbarländern, vor allem die östlichen Nachbarn, lassen sich, dank wichtiger Handelsrouten wie der Seidenstraße, besonders während der Herrschaft der Sasaniden sogar bis nach China nachzeichnen. Über diese Route haben sich neben Handelswaren auch Wissen, Kunst, Kultur, Traditionen und Religionen verbreitet.

Trotz der Vielfältigkeit der Bevölkerungsgruppen innerhalb des Reiches und deren kulturellen, religiösen wie traditionellen Unterschieden wurde eine zentrale Herrschaft akzeptiert. Diese geht mit einer Staatsreligion (offiziell im Sasanidenreich), dem „Zoroastrismus“, einher. Durchaus lassen sich unterschiedliche Tradierungen der Religion im Laufe der Zeit fassen, gleiches gilt für regional abweichende religiöse Zeremonien und Bestattungsformen. Grundlegendes Element des zoroastrischen Totenrituals ist eine Sekundärbestattung. In dieser Religion sollen die Naturelemente Wasser, Feuer und Erde nicht vom toten Körper verunreinigt werden. Deshalb wird der tote Körper durch Aasvögel und -tiere im ersten Schritt entfleischt und dann sekundär bestattet. Jedoch ist der nachfolgende Umgang mit den entfleischten Knochen (Sekundärbestattung) zeitlich und regional sehr variabel.

Die Hauptquellengattungen archäologische Befunde, bildliche Quellen und Textquellen sollen transdisziplinär betrachtet werden. Damit soll ein neuer, umfassender Blick erarbeitet werden, welcher die Vielzahl der Quellen im Zusammenhang auswertet. Damit wird eine zeitliche, regionale und kulturelle Kategorisierung für den unterschiedlichen Umgang mit dem toten Körper innerhalb einer übergeordneten Religion mit differenzierter Ausprägung geschaffen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden mit schriftlichen Überlieferungen, die von solchen Ereignissen sekundär berichten, kombiniert und ergänzt, um die Entwicklungs- und Neuformierungsschritte daraus abzulesen. Auf diese Weise lassen sich Fundorte oder Fundstellen, an denen solche Zeremonien stattfanden, erkennen und rekonstruieren.

Projektmitarbeitenden

Das „Itinerarum des menschlichen Körpers“ bezeichnet sowohl ein kürzlich gestartetes Forschungsprojekts als auch das in diesem Projekt angewandte Konzept, mit dem körperliche Biographien menschlicher Individuen erfasst und interpretiert werden sollen. Das Projekt basiert auf der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Archäologie und biologischer Anthropologie mit dem Ziel die Körpergeschichte von Individuen und Gruppen zu schreiben. Der Körper wird verstanden als Ort individueller körperlicher Biographien und zugleich als relationale Einheit, die soziale Beziehungen ausdrückt, aufrechterhält und transformiert.

Die Untersuchung körperbezogener Praktiken soll Hinweise liefern auf die Transformation von individuellen Identitäten und sozialen Beziehungen und den Umgang mit dem Tod. Hierzu werden vor allem peri- bzw. postmortale körperbezogene Spuren erfasst, um Praktiken und Handlungen zu untersuchen und zu interpretieren, die das Potenzial haben, die Biographie des Körpers und seine Position in sozialen Netzwerken zu verändern und Sterben und Tod zu bewältigen. Das Projekt ist zugleich methoden- und theorieorientiert: Es werden theoretische Grundlagen erarbeitet, um den Ansatz epochenunabhängig nutzen zu können, und digitale Dokumentations- und Analysemethoden an archäologischem Skelettmaterial getestet.

Kooperationspartner

Birgit Großkopf,  Georg-August-Universität Göttingen, Historische Anthropologie und Humanökologie

Projektmitarbeitenden

Konzepte der Sorge in der altägyptischen Funerärkultur

Die moderne Soziologie unterscheidet zwischen verschiedenen Dimensionen der Sorge (vgl. Henkel et al. 2016; 2019), darunter die drei Sphären „Sorge um sich / Sorge um andere / Sorge um die Umwelt“. Wie vielfältig Konzepte der Sorge sind, zeigt das deutschsprachige Wortfeld [SORGE] mit Beispielen, die Leben und Tod gleichermaßen betreffen: Fürsorge, Vorsorge (auch über den Tod hinaus), Versorgung, Sorgfalt, Sorgsamkeit, Sorglosigkeit bei Gefahren u. a.

Eine ebensolche Vielfalt zeigt sich scheinbar in der altägyptischen Kultur, die zahlreiche Instanzen aufweist, in denen Menschen Vorsorge und Fürsorge betreiben, sich um Versorgung bemühen oder von göttlicher Fürsorge sprechen. Dies spiegelt sich insbesondere in der ägyptischen Funerärkultur, die wie in kaum einer anderen vormodernen Gesellschaft Auskunft über Aspekte sozio-kultureller und individueller Sorge Zeugnis geben kann. Unterschiedlichste Textquellen bieten zudem die Möglichkeit, „Sorge“ philologisch-linguistisch zu analysieren.

Das Projektvorhaben wird untersuchen, inwiefern sich Konzepte der Sorge im Rahmen der Funerärkultur und textlich darüber hinaus fassen lassen. Zielsetzung ist es, zu erforschen, welche Dimensionen von Sorge es im Alten Ägypten gegeben hat. Ferner, ob und wie Sorgepraktiken in der altägyptischen Funerärkultur hervorgerufen wurden und wie solche Herausforderungen wahrgenommen, konzeptualisiert und bewältigt wurden. Methodisch werden mehrere Perspektiven beleuchtet: Mithilfe konzeptueller linguistischer und lexikologischer Methoden werden Kernkonzepte (ideation kernels) der Sorge in Texten identifiziert und analysiert. Mit diesen Erkenntnissen verbunden wird die Untersuchung ausgewählter archäologischer Befunde aus Grabanlagen und Grabausstattungen, um zu erforschen, inwiefern sich Konzepte der Sorge in der ägyptischen Funerärkultur widerspiegeln.

Projektmitarbeitenden

Das Forschungsprojekt widmet sich der Analyse der Konzepte und Praktiken des idealen Sterbens im byzantinischen Osten, da dort bislang keine vergleichbare ars moriendi-Tradition wie im spätmittelalterlichen Europa angenommen wird. Auf Grundlage eines breiten Spektrums literarischer und normativer Quellen aus der früh- und mittelbyzantinischen Epoche (330–1204) werden Vorstellungen vom heilsamen Sterben sowie die damit verbundenen rituellen, sozialen und theologischen Praktiken untersucht, die dem Sterbenden zum Seelenheil verhelfen sollten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Darstellung von Sterbevorbildern, die Rolle der Sterbebegleiter sowie die funktionale Einbettung dieser Praktiken in den zeitgenössischen Diskurs. Mithilfe der Methode der historischen Diskursanalyse werden Wandelprozesse und Kontinuitäten in den byzantinischen Vorstellungen vom idealen Sterben rekonstruiert und ihre Entwicklung im längerfristigen historischen Kontext nachgezeichnet.

Stellung innerhalb der Area: Mit Blick auf die hier besonders gut fassbare Konzeptualisierung von Tod steht das Projekt in enger Verbindung zu demjenigen von Kerstin P. Hofmann (Letzte Dinge), kann aber auch von den Ergebnissen aktueller Umfragen durch Klaus LiebRoland Imhoff und Rolf van Dick (Stressbewältigung) sowie der Sicht auf die Resilienz der Lebenden durch das Projekt von Alexandra W. Busch et al. (Resilienzfaktoren) profitieren.

Projektmitarbeitenden

Dieses Habilitationsvorhaben widmet sich einem der grundlegenden Phänomene der byzantinischen Gesellschaft, das bisher nur vereinzelt wissenschaftliches Interesse geweckt hat: die Memoria (Gr. mnemosyna / μνημόσυνα). Wie Otto Gerhard Oexle für das westliche Mittelalter festgestellt hat, war Memoria auch in Byzanz ein „totales soziales Phänomen“ (Marcel Mauss), das auf alle Bereiche der Gesellschaft wirkte, neben der Wirtschaft und Familienleben auch auf die Politik.

Im Grunde genommen funktioniert Memoria als Sammelbegriff, der die Ideen und Praktiken der Byzantiner für die Kommemoration sowie das Gedenken an die Toten umfasst. Diese Praxis bestand in Gedenkgebeten, Totenmessen und -mählern und Verteilungen an die Armen und Bedürftigen. Wenngleich die vielen monastischen Urkunden aus byzantinischen Klöstern am ausführlichsten über die Gedenkpraktiken berichten, bieten auch andere Quellengattungen wie kanonisches und weltliches Recht, Hagiographie und Theologie wertvolle Einblicke in das Totengedenken, von den Sachzeugnissen ganz zu schweigen.

Obwohl die Memoria in der Mediävistik schon gut erforscht ist, was zum Teil auch für die Islamwissenschaften und Slawistik gilt, liegt bisher in der Byzantinistik kaum eine Untersuchung auch nur kleineren Umfangs dieser Art vor. Daher wird mit „Memoria in the Byzantine World, ca. 500-1500” diese Forschungslücke gefüllt. Dabei sollen nicht nur neue Einblicke in eine wichtige Praxis der byzantinischen Gesellschaft gewonnen, sondern auch unser Verständnis des byzantinischen Alltagslebens bereichert und differenziert werden. 

Stellung innerhalb der Area

Aspekte der Kommemoration spielen auch bei der Arbeit von Kerstin P. Hofmann (Letzte Dinge) und Anne Sieverling (Lipari) eine wichtige Rolle. Da Vergangenheitsbezug als ein potentieller Resilienzfaktor im Verbundprojekt von Alexandra W. Busch et al. (Resilienzfaktoren) ebenfalls diskutiert wird, sind auch hier wichtige Anknüpfpunkte.

Kooperationspartner

Leibniz-WissenschaftsCampus – Byzanz zwischen Orient und Okzident – Mainz/Frankfurt; ERC Starting Grant MAMEMS (uni-mainz.de) “Mount Athos in Medieval Eastern Mediterranean Society: Contextualizing the History of a Monastic Republic (ca. 850-1550)”

Projektaktivitäten

Chitwood, Zachary (2021): Dying, Death and Burial in the Christian Orthodox Tradition: Byzantium and the Greek Churches. In: Philip Booth and Elizabeth Tingle (Hg.): A Companion to Death, Burial and Remembrance in Late Medieval and Early Modern Europe, c. 1300–1700. Brill’s Companions to the Christian Tradition. Leiden: Brill 2020 [printed], 2021 [copyright]). S. 199–224.

Projektmitarbeitenden

Die im Westen Griechenlands gelegene Landschaft Akarnanien ist bekannt für ihre gut befestigten antikem Städte und zahlreichen Konflikte, die auf dem Gebiet zwischen unterschiedlichen rivalisierenden klassischen Poleis oder hellenistischen Königreichen und Rom ausgetragen wurden. Obwohl schon einige Gräber und auch ganze Nekropolen aus der Region bekannt sind, steht die Erforschung der Bedeutung von Grabbeigaben in Akarnanien noch aus. Dies soll nun anhand der von der im Nordwesten von Akarnanien gelegenen Plaghiá-Halbinsel bekannten Gräber exemplarisch untersucht werden. Sie bieten die Möglichkeit einerseits den Umgang mit tragischen Ereignissen wie die mors immatura und andererseits die Nutzung und Bedeutung der Grabbeigaben sowie die Ausstattung der Verstorbenen im regionalen Kontext zu erschließen.

Publikation(en)

  • A. Sieverling – J. Weber, Sterben ohne Altern. Ein Kindergrab auf der Plaghiá-Halbinsel in Westgriechenland, in: S. Schreiber – M. Lebek – M. Renger (Hrsg.), Titel?, Theoriedenken in der Archäologie (in Vorbereitung)

Projektmitarbeitenden

In der Fallstudie Archaeology of death revisited/Letzte Dinge wird der biologische Tod als eine der wenigen universellen Erfahrungen der menschlichen Existenz betrachtet, die dennoch ein unverständliches Ereignis für die Lebenden darstellt. Gerade deshalb können der Tod, die Toten und das Postmortale als zentrale Herausforderungen nicht nur für das Individuum, sondern auch für soziokulturelle Gemeinschaften gesehen werden. Die mit dem Tod einhergehende Ambivalenz von An- und Abwesenheit der Toten und der mit ihnen verbundenen Dinge sowie die Bedrohung durch die Wahrnehmung von Endlichkeit und Vergänglichkeit löst nicht selten Stress, Handlungsbedarf und Reflexionsbedarf aus. Da die Vorstellungen, die Menschen einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Region vom Tod haben, immer auch mit ihrem Lebensentwurf und          Lebensvollzug zusammenhängen, ist der Tod ein Phänomen von genuiner historischer und gesellschaftlicher Relevanz. Die Kunst des Sterbens ist also eng mit der Kunst des Lebens verbunden. Denn im Angesicht des Todes wird nicht nur über Jenseitsvorstellungen oder Konzepte und Praktiken des idealen Sterbens nachgedacht, sondern auch über die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht. Sterbe- und Todesrituale dienen – auch im Zuge der Erinnerungsarbeit – oft als Lebensbrevier und Mahnung für die Hinterbliebenen. Zudem sind sie oft mit Aussagen über die Identität des Verstorbenen und auch der Bestattungsgemeinschaft verbunden. So dienen Totenrituale oft der Legitimation von Macht, aber auch der Betonung oder Verschleierung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Viele Riten sollen aber auch helfen, Trennungsängste und Trauer zu bewältigen und die Angst vor den Toten zu bekämpfen. Doch welche Resilienzfaktoren spielen dabei eine Rolle, und welche Wechselwirkungen gibt es mit anderen Herausforderungen, Stress- und Krisenerfahrungen? Während der Übergangsriten durchläuft nicht nur der Verstorbene einen Transformationsprozess, sondern auch die Gemeinschaft der Hinterbliebenen. Einst oft als konservativ und traditionsorientiert angesehen, wird heute das transformatorische Potenzial, insbesondere in der liminalen Phase von Übergangsriten, hervorgehoben. In einem interdisziplinären Austausch sollen daher Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie der Wandel von Vorstellungen und Wahrnehmungen im Umgang mit Tod und Leben vergleichend untersucht werden und damit auch ein erster altertumswissenschaftlicher Beitrag zum international etablierten Feld der Thanatologie geleistet werden.

Projektmitarbeitenden

In Bearbeitung

Projektmitarbeitenden

Das Projekt Stressbewältigung und Resilienz besteht gemäß der Forschungspraxis psychologischer Projekte aus mehreren Teilprojekten bzw. Studien, die durch inhaltliche Überschneidungen gekennzeichnet sind.

Das Teilprojekt Stressbewältigung und Resilienz – eine Bevölkerungsumfrage (Klaus Lieb, Roland Imhoff, Rolf van Dick) nimmt repräsentative psychologische und lebenswissenschaftliche Erhebungen zu Wahrnehmungen von Stress vor. Diese sollen auch Impulse für die Untersuchung vergangener Wahrnehmungen liefern und bieten zugleich ein wertvolles Korrektiv. Folgende konkrete Teilprojekte werden mit diesen Daten der repräsentativen Stichprobe (deutschsprachige Bevölkerung in Privathaushalten ab 18 Jahren, N = 3057) durchgeführt.

Das Teilprojekt Individuelle und regionale Unterschiede in der Beziehung zwischen sozialer Identifikation und Gesundheit: eine Mehrebenenanalyse (Frenzel/Erfurth/Gilan/ Helmreich/Hubenschmid/Kaluza/Lehmann/Lieb/van Dick) untersucht soziale Identifikation. Das Gefühl, gut sozial integriert zu sein, führt nach dem Social Identity Approach zu besserer Gesundheit. In diesem Teilprojekt wird der Stressor Covid-19 untersucht und getestet, wie die Bewältigung durch soziale Unterstützung sich auf Gesundheit auswirkt. Dies wird sowohl auf individueller Ebene wie auf Ebene der Landkreise analysiert, zudem werden Wechselwirkungen zwischen den Ebenen betrachtet.

Unter Federführung des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR) werden auf Basis der erhobenen Daten drei weitere Teilprojekte durchgeführt.

– Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Resilienz(-faktoren) (Lieb/van Dick): In diesem Teilprojekt wird der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Resilienz bzw. den Resilienzfaktoren untersucht

– Umgang mit Stress (Mikro- und Makro-Stressoren) und Resilienz/Gesundheit: In diesem Teilprojekt wird der Zusammenhang zwischen Stress auf Mikro- und Makroebene und Resilienz bzw. Gesundheit untersucht.

– Gesellschaft (Werte, politische Partizipation) & Resilienz(-faktoren): In diesem Teilprojekt wird der Zusammenhang zwischen Resilienz bzw. Resilienzfaktoren und Gesellschaft anhand der individuellen Werteorientierung und der politischen Partizipation näher beleuchtet.

Projektmitarbeitenden

Das Hallstätter Salzbergtal in der UNESCO Welterbe-Region Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut zählt zu den ältesten Kultur- und Industrielandschaften der Welt. Über Jahrtausende bildete dies Landschaft das wirtschaftliche und demographische Zentrum einer weiten Region. In den großen bronze- und eisenzeitlichen Bergbaurevieren haben sich dank der konservierenden Wirkung des Salzes unzählige Werkzeuge, Werkstoffe, Essensresten und menschliche Exkremente erhalten. Einzigartige Einblicke in die Lebenswelten der prähistorischen Bergleute sind hiermit möglich. Darüber hinaus ist die Region reich an hochauflösenden Umweltarchiven. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit körperlicher Gesundheit/Krankheit und Belastung, Vorstellungen von Reinheit und Wegwerfverhalten, Arbeitssicherheit sowie die Auswirkungen natürlicher Extremereignisse.

Projektmitarbeitenden

Der Profilbereich Challenges wird gefördert aus den Mitteln der Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz.