Die Menschheitsgeschichte ist durch ein vielschichtiges Verhältnis des Menschen zu seinem Wissen über seine (Lebens)Welt geprägt. Dessen stetige Erweiterung und Nutzung lässt ihn neue Ideen und Konzepte kreieren, welche zu sozialem und technologischem Wandel führen und ihm Dynamik verleihen. Letztere zwingt Gesellschaften unausweichlich zu Änderungen akzeptierter Handlungsmuster. Dies kann sowohl durch vorsätzliche Aktionen als auch durch unbeabsichtigte Re-Aktionen geschehen, zu welchen unter anderem die gemeinschaftliche Besinnung auf bestimmte Werte und Ausdrucksformen zählen. Mit diesen Entwicklungen gehen variantenreiche strukturelle Transformationen einher, die verschiedene Teile einer Gesellschaft unterschiedlich beeinflussen bzw. herausfordern. Nicht alle Herausforderungen entstehen in krisenhaften, negativ wahrgenommenen Situationen und nicht jede Bewältigungsstrategie kommt einer Problemlösung gleich. Zudem erzeugen sowohl ein gesellschaftlicher Wandel als auch die Handlungsstrategien Einzelner ihrerseits neue Herausforderungen. Soziale Faktoren, wie politische Macht, Reichtum oder Territorialität, spielen sowohl bei der Wahrnehmung als auch bei der Konzeptionalisierung von Herausforderungen häufig eine größere Rolle als ökonomische Aspekte. Die Welt wird in kultureller Hinsicht gestaltet, wobei soziale und kommunikative Strategien zur Schaffung, Erklärung und Veränderung der (Lebens)Welten beitragen.

Die Thematische Area 2 „Kreierte Welt“ befasst sich mit Herausforderungen, die an eine sich stetig wandelnde Akzeptanz sozialer Handlungsmuster und Betrachtungsweisen der gemeinschaftlichen Lebenswelt geknüpft sind. In diachron angelegten Einzelprojekten werden soziale, politische, ökonomische, aber auch epistemische Vorgänge im Spannungsfeld zwischen akzeptierten Werten und dem Bedürfnis nach der Neu-Konzeptualisierung wahrgenommener Phänomene untersucht. Die Studien zeigen auf, dass gesellschaftlicher Wandel neben praktischen Erwägungen auch immer wieder durch abstrakte Beweggründe mitbestimmt wurde. Anhand konkreter Fallbeispiele werden die komplexen Ausbreitungsstrategien des anatomisch modernen Menschen vor ca. 40.000 Jahren, die Expansion der produzierenden Wirtschaft seit 12.000 Jahren, die Etablierung von Bronze und Eisen als Werkstoffe in den ersten drei Jahrtausenden v. Chr. bis hin zur wissenschaftlichen Erforschung der Elemente in der Antike untersucht.

Das Feuer ist ein in der Antike weit verbreitetes Umweltphänomen, das sowohl in der Natur beobachtet werden kann (Blitz, Vulkanismus, Waldbrände etc.) als auch künstlich vom Menschen hergestellt und vielfältig genutzt wird. Große Schwierigkeiten hat aber die intellektuelle oder konzeptionelle Bewältigung dieses Umweltphänomens bereitet, und der Umgang mit dieser intellektuellen Herausforderung wird im hier skizzierten Projekt thematisiert. Die verschiedenen diskursiven Praktiken, die bei diesem Verständnis- und Erklärungsprozess angewandt wurden, sollen in Einzelfallstudien untersucht und miteinander verglichen werden.

Das menschliche Verhältnis zum Feuer ist sehr ambivalent, da es nicht nur unbeherrscht und katastrophisch erscheint (insbesondere in seinen natürlichen Repräsentationen), sondern auch wärme- und lebensspendend ist (sofern seine Beherrschung die Voraussetzung für zahlreiche technische Prozesse ist). Man hat es früh mit den leuchtenden und wärmenden Himmelskörpern verbunden und damit in einen göttlichen Rang erhoben. Empedokles hat es in den Kreis der klassischen vier Elemente aufgenommen (zusammen mit Erde, Wasser, Luft), die er als Grundbausteine des Kosmos identifizierte. Platon verwendet das Feuer als Lichtspender metaphorisch (z. B. in seinem Höhlengleichnis im Staat), um Erkenntnisprozesse zu veranschaulichen. Besonders vielfältig, aber auch komplex ist die Art und Weise, wie Aristoteles das Feuer in organischen Zusammenhängen wirksam sieht (Körperwärme, Atmung, Ernährung, Zeugung).

Das Projekt untersucht, ausgehend von Aristoteles, die intellektuelle oder konzeptionelle Bewältigung des Naturphänomens Feuer, wobei es besonders interessiert, welche Alltagswahrnehmungen und Erklärungsmodelle dabei eine Rolle spielen. Es ist für die Untersuchungsmethode des Aristoteles, aber auch vieler anderer griechischer Intellektueller wesentlich, dass kaum jemals eine praktische Nutzanwendung oder technische Verbesserung im Fokus steht. Es geht vielmehr ausdrücklich um die theoretische Bewältigung der wahrgenommenen Umwelt, die in der Auseinandersetzung mit früheren und gleichzeitigen Erklärungsversuchen immer wieder neu unternommen wird. Man könnte geradezu von einer Kultur der intellektuellen Bewältigung sprechen.

Projektmitarbeitenden

Das Projekt untersucht Granatschmuck im frühen Mittelalter als Ausdruck sozialer, technologischer und kultureller Praktiken. Im Fokus stehen Fragen nach Herkunft, Transfer und Verarbeitung des Materials sowie nach den damit verbundenen sozialen Bedeutungen. Die Kombination von naturwissenschaftlichen Analysen, schriftlichen Quellen und goldschmiedetechnologischen Untersuchungen ermöglicht neue Einblicke in Handelsrouten, Herstellungspraktiken und symbolische Aufladungen. Dabei wird deutlich, wie sich gesellschaftlicher Wandel – etwa durch Christianisierung oder politische Neuordnung – in materiellen Ausdrucksformen wie dem Granatcloisonné niederschlägt. Besonders im angelsächsischen Raum lassen sich innovative Adaptionen antiker Formen und eine Neu-Konzeptualisierung von Elitendarstellung beobachten. Das Projekt zeigt, dass sich durch die diachrone Betrachtung eines scheinbar konstanten Materials komplexe Transformationsprozesse rekonstruieren lassen. Es veranschaulicht, wie Konzepte über Dinge kommuniziert, tradiert und verändert werden. Damit leistet es einen Beitrag zum Verständnis dynamischer Aushandlungsprozesse zwischen Tradition und Innovation. Das Projekt ist im Profilbereich verankert und gehört zur Thematic Area 2 „Kreierte Welt“.

Projektmitarbeitenden

Das Projekt Human Dispersals in the Late Pleistocene: Interdisciplinary approaches towards understanding the worldwide expansion of Homo sapiens against the background of its materiality untersucht kollektive Strategien, mit denen prähistorische Jäger- und Sammlergemeinschaften einer sich ständig ändernden Verfügbarkeit von Ressourcen begegneten. Die späteiszeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaften waren in hohem Maße von Umweltressourcen abhängig, wobei Ressourcenverfügbarkeit und -vorhersehbarkeit wesentliche Faktoren des Überlebens waren. Aus der Zeit des Pleistozäns sind zahlreiche Perioden signifikanter klimatischer und ökologischer Veränderungen und Umbrüche bekannt. Die mitunter plötzlich auftretenden Umweltveränderungen führten zu hochfrequenten Schwankungen in der Ressourcenverfügbarkeit, die zweifelsohne Gruppen prähistorischer Jäger und Sammler beeinflussten. Perioden unvermeidlicher Umweltinstabilität setzten die Menschen ökologischen Risiken aus, wenn wichtige Ressourcen versagten. So wird das Projekt einen zweifachen Ansatz verfolgen: (1) die Umweltfaktoren zu identifizieren, die den größten Einfluss auf die Ressourcenverfügbarkeit für die prähistorischen Jäger-Sammler-Gesellschaften hatten; und (2) die Bewältigungsstrategien zur Minderung ökologischer Risiken zu untersuchen. Dabei stellen sich folgende zentrale Fragen: Gab es unterschiedliche Bewältigungsstrategien, die bei verschiedenen Amplituden der Ressourcenvariabilität oder -knappheit umgesetzt werden sollten? Welche sozialen Mechanismen wurden zur Bewältigung dieser Herausforderungen aufrechterhalten oder adaptiert?

Stellung innerhalb der Area: Umwelteinflüsse als Herausforderungen für den Menschen werden auch im von Detlef Gronenborn geleiteten Projekt (Social Cohesionbehandelt. Die Herausforderung von Rohstoffknappheiten sind auch in der von Bianka Nessel vorgenommenen Studie (Zinnversorgung) behandelt.

Projektmitarbeitenden

Ehemalige Projektmitarbeitenden

This GFK-funded project explores the origins and spread of ceramic vessels in Mesoamerica during the 2nd and 1st millennia BCE. Using lipid analysis and CSRA dating, we investigate the earliest pottery in diverse regions, including the Pacific coast, Central Highland Mexico, the Gulf of Mexico, the Guatemalan highlands, and the Maya lowlands of Guatemala, Mexico, and Belize. Our goals include identifying when pottery was introduced, its earliest uses, its connection to subsistence changes, significance in diet, rituals, and political developments during this transformative period.

Funding

Gutenberg Forschungskolleg der JGU

Principal investigator

Team

  • Dr Raúl Ortiz (Pre- and Protohistoric Archaeology, Johannes Gutenberg University Mainz, Germany)
  • Dr Tim Lauschke (Pre- and Protohistoric Archaeology, Johannes Gutenberg University Mainz, Germany)
  • Dr Emmanuelle Casanova (Laboratoire des Sciences du Climat et de l’Environnement – LSCE, France)

Collaborators and local partners

  • Dr Kaori Sakaguchi-Söder (Institut für Angewandte Geowissenschaften, TU Darmstadt)
  • Prof. Dr Moritz Bigalke (Institut für Angewandte Geowissenschaften, TU Darmstadt)
  • Dr Barbara Arroyo (Universidad Francisco Marroquin, Guatemala)
  • Prof. Timothy W. Pugh (Queens College and The Graduate Center/CUNY, US)
  • Prof. Michael Love (Department of Anthropology, California State University, Northridge)
  • Prof. Takeshi Inomata (University of Arizona, US)
  • Prof. Daniela Triadan (University of Arizona, US)
  • Prof. Guy David Hepp, Ph.D. (California State University, San Bernardino, US)
  • Prof. Robert M. Rosenswig (University at Albany, US)

Our research is concerned with bridging the gap between temporal and spatial scales of climatic changes and human responses. The decisions of people in prehistory were often based on how they perceived their immediate environment and can thus only insufficiently be connected to remote climate archives on decadal- or centennial scales (e.g. marine cores or glacial records).

We are tackling this problem in the context of the Neolithic Dispersal across the Mediterranean, when pioneering farmers were advancing to new shores with a variety of success. Climatic conditions and the resulting agricultural risks are one part of this success, but differences in spatial and temporal resolution make their immediate impact intangible.

This project is using seasonally resolved climatic data from within archaeological layers in the form of mollusc shells, and is thus directly accessing local weather conditions that were observable by prehistoric populations.

Projektpartner*innen

  • Bernd Schöne
  • Catherine Perlès
  • Karen Vitelli
  • Amy Prendergast
  • Lilian Karali
  • Marcello Mannino
  • Andre Carlo Colonese

Projektmitarbeitenden

The Seascapes project investigates the Bell Beaker phenomenon in the western Mediterranean during the third millennium BCE, a period marked by increased human mobility and the rise of maritime networks, using radiocarbon dating (including compound specific radiocarbon analysis), organic residue analysis of pottery and spatio-temporal modelling to identify routes of circulation, contact points, and directions of movement.

Funding

  • Austrian Science Fund (FWF)
  • UK Arts and Humanities Research Council (AHRC)

Principal Investigators

  • Assoc. Prof. Lucy Cramp (Department of Anthropology and Archaeology, University of Bristol, UK)

Team

  • Dr Eve Derenne (Pre- and Protohistoric Archaeology, Johannes Gutenberg University Mainz, Germany)
  • Dr Alex Bayliss (Historic England, UK)
  • Prof. Mark Thomas (University College London, UK)
  • Adrian Timpson (University College London, UK)
  • Dr Elena Marinova (State Office for Cultural Heritage Baden-Württemberg, Germany)

Collaborators and local partners

  • Dr Michael Kunst (retired from the German Archaeological Institute in Madrid)
  • Prof. Ana Catarina Sousa (University of Lisbon, Portugal)
  • Prof. Victor Gonçalves† (University of Lisbon, Portugal)
  • Prof. Juan Antonio Cámara (University of Granada, Spain)
  • Dr Alberto Dorado Alejos (University of Granada, Spain)
  • Prof. Manuel Calvo Trias (University of the Balearic Islands, Spain)
  • Dr Damià Ramis (independant researcher, Spain)
  • Dr Jaume Coll Conesa (Museo Nacional de Cerámica y Artes Suntuarias González Martí, Spain)
  • Prof. Olivier Lemercier (University of Montpellier, France)
  • Dr Emilie Blaise (UMR 5140, Archéologie des Sociétés Méditerranéennes, France)
  • Dr Fabien Convertini (INRAP, France)
  • Prof. Riccardo Cicilloni (University of Cagliari, Italy)
  • Prof. Carlo Lugliè† (University of Cagliari, Italy)
  • Dr Vitale Sparacello (University of Cagliari, Italy)
  • Dr Gianfranca Salis (Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio, Cagliari, Italy)
  • Dr Enrico Giannitrapani (University of Palermo, Italy)
  • Dr Filippo Iannì (Arkeos Sicily, Italy)
  • Dr Salvatore Chilardi (independent researcher, Italy)

Further information https://seascapesproject.wordpress.com

Im Projekt Social Cohesion Cycles in long-term Perspective werden Wandlungsprozesse in agrarischen Gemeinschaften untersucht. Diese können als gesellschaftsinterne Herausforderungen verstanden werden, in denen allerdings auch externe Faktoren in variablen Anteilen wirksam werden. Als externe Faktoren werden insbesondere Klima- und Umwelteinflüsse gesehen.

Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die internen Faktoren (Gesellschaftlicher Zusammenhalt – social cohesion) einer phasenabhängigen Unvermeidlichkeit zu unterliegen scheinen. Die Untersuchungen laufen auf verschiedenen Ebenen, von lokalen zu regionalen zu kontinentalen Skalen, auch mit dem Ziel, die Bezüge und Bedingtheiten zwischen den Skalen zu verstehen. Dort, wo die Datendichte es erlaubt, wird versucht werden, auch die Ebene der Individuen mit einzubeziehen.

Das Projekt konzentriert sich zunächst auf frühe bäuerliche Gesellschaften in Mitteleuropa, wird aber auch immer wieder Hypothesen anhand von Datensätzen aus der jüngsten Vergangenheit (19.-21. Jh.) überprüfen, um letztlich allgemeine Verhaltensmuster von Gesellschaften über verschiedene Skalen zu untersuchen. Es baut auf einer langen Reihe von Lokal- und Regionalstudien im Arbeitsgebiet Nördlicher Oberrhein/Mittelrhein auf, sowie einer teilweise aus diesen und weiteren Daten generierten relationalen Datenbank (https://dasis2.rgzm.de). Der Ansatz wird auch bereits im laufenden deutsch-französischen Gemeinschaftsforschungsprojekt INTERACT (in Zusammenarbeit mit dem MPI SHH Jena) verfolgt.

Kooperationspartner

 MPI SHH Jena, Dr. Wolfgang Haak, Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Prof. Dr. Kai Wirtz; Dr. Carsten Lemmen, hessenARCHÄOLOGIE, Dr. Sabine Schade-Lindig; Dr. Dieter Neubauer, Ukrainian Academy of Science, Dr. Aleksandr Diachenko

Projektaktivitäten

  • Grabungen Kapellenberg
  • Aufbau Datenbank dASIS

Links

Projektmitarbeitenden

SUSTAIN is a five-year research project (2020-2026) funded by the European Research Council. It seeks to understand sustainability in early Neolithic agricultural societies in Europe through a combination of climate and biodiversity informatics, bioarchaeology and agent-based modelling. It examines societies that have only recently settled in new environments and begun to practice mixed agro-pastoral husbandry. This at the time novel way of interaction with the environment involved a different scale of interference with the life cycles of plants and animals, and was of fundamental importance for subsequent developments in Europe.

Funding

European Research Council, CoG, GA 865515

Principal investigator

Team

  • Prof. Richard Evershed (University of Bristol, UK)
  • Dr. Melanie Roffet-Salque (University of Bristol, UK)
  • Dr. Isabel Wiltshire (University of Bristol, UK)
  • Prof. Thomas Hickler (Senkenberg Gesellschaft, Frankfurt, Germany)
  • Dr. Wolfgang Traylor (Senkenberg Gesellschaft, Frankfurt, Germany)
  • Prof. Mark Thomas (University College London, UK)
  • Dr. Martin Hinsch (University College London, UK)
  • Dr. Sayuri Kochi (Pre- and Protohistoric Archaeology, Johannes Gutenberg University Mainz, Germany)
  • Dr. Phoebe Heddell-Stevens (Pre- and Protohistoric Archaeology, Johannes Gutenberg University Mainz, Germany)

Collaborators

  • Dr. Tina Lüdecke (Max Planck Institute of Chemistry, Mainz, Germany)
  • Adrian Timpson (University College London, UK)
  • Dr. Marie Balasse (MNHN, Paris, France)
  • Dr Elena Marinova (State Office for Cultural Heritage Baden-Württemberg, Germany)

Further in formation https://sustain-erc.org

This project investigates the interactions between coastal people and the sea, and the challenges connected to engaging, conceptualizing and extracting resources in an underwater space. The focus lies on the ancient diving practices in the eastern Mediterranean from the Neolithic to the Hellenistic period, focusing on the Cypro-Levantine and Aegean coasts. 

The exploration of the Mediterranean depths is not a recent endeavour. Humans have been diving   beneath the surface of the sea since prehistory. Sponge and coral harvesters are known from antiquity, and there are even attestations of freedivers involved in naval operations. Diving may have complemented the activity of fishermen and mollusc gatherers, while harbour builders may have required underwater expertise. Furthermore, painters and poets borrowed underwater imagery for their art. However, archaeological research on human engagement with underwater spaces is rare. Until recently, the long-standing reasoning was that we lacked evidence for such activities, and as such, the thought of an archaeology of diving was deemed unrealistic. Thus, if, on the one hand, the knowledge of ancient human frequentation of aquatic spaces is taken as a given fact by most archaeologists, on the other hand, very few studies have explored how this engagement took place, which strategies were adopted to extract underwater resources, and who were the people that took the plunge. 

Recent advances in underwater archaeology, material culture studies, and behavioural archaeological theory suggest that freediving may leave identifiable material traces and that associated site contexts can be systematically studied. Building on previous work that integrated material, iconographic, and ethnographic evidence, this project aims to establish the first methodological framework to detect and study ancient diving practices, and will constitute the foundation for a new research branch within the field of maritime archaeology: the archaeology of ancient diving. By restoring visibility to the communities who engaged with underwater spaces and resources, the project offers a more complete understanding of ancient maritime lifeways and coastal economies.

Projektmitarbeitenden

Eine stark gestiegene Anzahl von Metallanalysen in unterschiedlichen Regionen Europas haben gezeigt, dass Zinnbronzen ab dem Spätneolithikum mit einer steigenden Frequenz in verschiedenen Gegenden Europas auftreten, wohingegen sie zuvor nur sporadisch zu finden waren. Die meisten Studien, die sich mit der Ausbreitung des Zinns und der Zinnbronze beschäftigen, fokussieren entweder auf eine Provenienzbestimmung des Rohstoffes Zinn oder einer Untersuchung des Umgangs einzelner Gemeinschaften mit dem Metall. Welche Herausforderungen dieser neue und zudem durch Handwerker erst zu erzeugende Rohstoff für einzelne Regionen bzw. Gemeinschaften und ihre sozialen und ökonomischen Netzwerke mit sich brachte, ist bisher jedoch nicht systematisch untersucht. Einige Regionen konnten bereits zu einem sehr frühen Zeitraum auf Zinnbronze zurückgreifen, andere hatten über einen sehr langen Zeitraum offenbar keinen Zugang zu den entsprechenden Rohstoffnetzwerken oder scheinen nicht in gleichem Maße an der Bronze-Metallurgie interessiert gewesen zu sein. Letztere werden üblicher Weise in archäologischen Studien weniger intensiv betrachtet, teilweise haftet ihnen sogar der Eindruck einer „backwater region“ an.

Das angestrebte Projekt wird in einem ersten Schritt die archäologisch fassbaren Indikatoren der Adaption der Zinnbronze-Technologie auf überregionaler Ebene herausarbeiten und charakterisieren. In einem zweiten Schritt sollen die Charakteristika verschiedener Regionen und Gemeinschaften herausgearbeitet und verglichen werden. Schlüsselfragen sind dabei: Warum lehnten Gemeinschaften die Zinnbronze-Technologie ab, obwohl deren Vorteile offensichtlich waren? Wie hat die Rohstoffverteilung zwischen weit entfernt liegenden Gebieten funktioniert? Welche gesellschaftlichen Mechanismen und Voraussetzungen lagen dieser zugrunde? Es scheint, dass nicht nur die Organisationsform von Gesellschaften, sondern vor allen deren Dauer und Bestand einen großen Einfluss auf die Einbeziehung in Rohstoffnetzwerke hatte.

Der Fokus soll auf der Untersuchung von Strategien der Implementierung der neuen Technologie, jedoch vor allem der Inkorporation in weiträumige Austauschnetzwerke von und durch bronzezeitliche Gemeinschaften liegen. Zu diesem Zweck werden Aspekte gemeinschaftlichen Denkens und Handelns, wie die Siedlungsstrukturen, Bestattungssitten, Deponierungstätigkeiten aber auch die ökonomische Ausrichtung der Gemeinschaften sowie ihre regionale und weiträumige Vernetzung untersucht. Die vorgeschlagene Herangehensweise begreift menschliche Bewältigungsstrategien nicht als ausschließlich durch Zäsuren gekennzeichnet, die stets eine Abkehr von etablierten Handlungsweisen erfordern. Vielmehr wird versucht auch langsame und graduelle Transformationen im menschlichen Handeln anhand bestimmter Marker zu identifizieren, abzubilden und zu korrelieren.

Projektmitarbeitenden

Die Kupferproduktion unterliegt im Laufe der Bronzezeit mehreren Phasen des Wandels. Ein Wechsel der Nutzung von Fahlerz und Kupferkies ist durch Materialanalysen bronzener Fertigprodukte sicher belegt. Nach der umfassenden Ausbeutung des Kupferkieses, sahen sich die bronzezeitlichen Gemeinschaften in der Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. einer abrupten Rohstoffknappheit gegenüber. Dies erzwang in ökonomischer und sozialer Hinsicht eine Reaktion, welche in der Nutzung von Rohmaterialsubstraten sichtbar wird. Welche Herausforderungen deren Implementierung und technische Umorientierung von Produktionsprozessen für einzelne Regionen und ihre sozialen und ökonomischen Netzwerke mit sich brachte, ist bisher jedoch nicht systematisch untersucht. Im Projekt werden die archäologisch fassbaren Indikatoren dieser temporären Rohstoffkrise auf überregionaler Ebene herausarbeitet und charakterisiert. In ausgewählten Regionen sollen die gemeinschaftlichen Strategien zur Bewältigung sowohl eines kurzfristigen Versorgungsengpasses als auch der Einführung eines Ersatzwerkstoffes herausgearbeitet und verglichen werden. Ziel ist es, für jede Region einen „Bewältigungs-Koeffizienten“ und eine „Coping-Sequenz“ durch eine mathematische Modellierung zu erstellen, welche bedeutende Aspekte der Bewältigungsstrategien nicht nur quantitativ abbilden, sondern auch vergleichbar machen werden. Zu diesem Zweck werden Aspekte gemeinschaftlichen Denkens und Handelns, wie die Siedlungsstrukturen, Bestattungssitten, Deponierungstätigkeiten aber auch die ökonomische Ausrichtung der Gemeinschaften sowie ihre regionale und weiträumige Vernetzung untersucht. Das noch sehr junge Projekt begreift menschliche Bewältigungsstrategien nicht als ausschließlich durch Zäsuren gekennzeichnet, die eine Abkehr von etablierten Handlungsweisen erfordern. Vielmehr wird untersucht, wie auch langsame und graduelle Transformationen im menschlichen Handeln identifiziert, abgebildet und korreliert werden können.

Stellung innerhalb der Area: Den Blick auf Rohstoffengpässe hat die vorliegende Untersuchung mit den Arbeiten von Sabine Gaudzinski-WindheuserOlaf JörisLivija Ivanovaité (Human Dispersals) und Detlef Gronenborn (Social Cohesion) gemein. Die Untersuchung von Bronze verbindet das Projekt daneben technologisch mit demjenigen von Christopher Pare (Technologische Innovationen).

Projektmitarbeitenden

Die immer schnellere Abfolge von technologischen Innovationen im modernen Leben machen ebenso schnellere Umstellungen und Anpassungen notwendig. Oft führen diese neuen Technologien und Praktiken zu Unterbrechungen von bestehenden Abläufen; etablierte Wertesysteme, Aufgaben- und Ressourcenverteilungen werden in Frage gestellt.

Aber die Dynamik der Innovationsprozesse und ihre oft tiefgreifenden Auswirkungen sind nicht nur Eigenschaften der modernen Welt, sondern sind in der gesamten Menschheitsgeschichte zu beobachten. In diesem Projekt wird das Augenmerk nicht auf die (primären) Vorzüge von Innovationen, sondern auf deren (sekundäre) Auswirkungen, die für Menschen bzw. für Gesellschaften erhebliche Herausforderungen darstellen, gelenkt.

Im Projekt wird als Beispiel die Ausbreitung der Eisentechnologie behandelt. Die Innovation – die Verhüttung von Eisenerzen und die Herstellung der ersten Artefakte aus Eisen – wurde in den letzten Jahren an der JGU intensiv erforscht. Die „heiße Phase“ der Innovation begann im 12. Jahrhundert v. Chr. im Nahen Osten sowie im östlichen Mittelmeerraum; nach zwei bis drei Jahrhunderten wurde von dort aus die neue Technologie bereits in dem Raum zwischen Atlantik und China eingeführt. Nach einem bestimmten Stadium des Innovationsprozesses breitete sich die Technologie offensichtlich erstaunlich schnell aus. Der Innovationsprozess hat eine Art von Eigendynamik und Unausweichlichkeit entwickelt – eine Herausforderung, die zu Umstellungen bei der Mobilisierung und Konzeptualisierung von Ressourcen führen musste.

Aus naheliegenden Gründen wird das Projekt auch die Auswirkungen auf den Umgang mit Bronze, dem Metall, das vorher für die Herstellung von Waffen und Geräten verwendet wurde, untersuchen. Als besonders aufschlussreich sind Änderungen in der Verwendung von Bronze im rituellen Umgang mit dem Numinosen – als Opfergabe –, die in bestimmten europäischen Kulturräumen am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit beobachtet werden können. In diesen Regionen fand eine grundlegende Änderung im Charakter der Bronzegegenständen in rituellen Deponierungen statt, die auf eine Umstrukturierung in der Konzeptualisierung des Metalls schließen lässt. Von Interesse sind u.a. Änderungen in den Buntmetalllegierungen – teilweise werden nun unbrauchbare Geräte aus ungewöhnlichen Legierungen hergestellt. Um diese Entwicklungen zu verstehen, werden u.a. Theorien zur Entwicklungsgeschichte prämonetärer Geldformen herangezogen.

Stellung innerhalb der Area: Mit dem Fokus auf Technologien ist das vorliegende Teilprojekt eng mit den Untersuchungen von Bianka Nessel (Zinnversorgung) verbunden, findet darüber hinaus aber auch Schnittpunkte zu den Arbeiten von Jochen Althoff (Feuer) und Detlef Gronenborn (Social Cohesion).

Projektmitarbeitenden

Der Profilbereich Challenges wird gefördert aus den Mitteln der Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz.