Das Phänomen ‚Feuer‘ im Denken der Antike


Das Projekt ist Teil der Thematischen Area 2: Kreierte Welt

Das Feuer ist ein in der Antike weit verbreitetes Umweltphänomen, das sowohl in der Natur beobachtet werden kann (Blitz, Vulkanismus, Waldbrände etc.) als auch künstlich vom Menschen hergestellt und vielfältig genutzt wird. Große Schwierigkeiten hat aber die intellektuelle oder konzeptionelle Bewältigung dieses Umweltphänomens bereitet, und der Umgang mit dieser intellektuellen Herausforderung wird im hier skizzierten Projekt thematisiert. Die verschiedenen diskursiven Praktiken, die bei diesem Verständnis- und Erklärungsprozess angewandt wurden, sollen in Einzelfallstudien untersucht und miteinander verglichen werden.

Das menschliche Verhältnis zum Feuer ist sehr ambivalent, da es nicht nur unbeherrscht und katastrophisch erscheint (insbesondere in seinen natürlichen Repräsentationen), sondern auch wärme- und lebensspendend ist (sofern seine Beherrschung die Voraussetzung für zahlreiche technische Prozesse ist). Man hat es früh mit den leuchtenden und wärmenden Himmelskörpern verbunden und damit in einen göttlichen Rang erhoben. Empedokles hat es in den Kreis der klassischen vier Elemente aufgenommen (zusammen mit Erde, Wasser, Luft), die er als Grundbausteine des Kosmos identifizierte. Platon verwendet das Feuer als Lichtspender metaphorisch (z. B. in seinem Höhlengleichnis im Staat), um Erkenntnisprozesse zu veranschaulichen. Besonders vielfältig, aber auch komplex ist die Art und Weise, wie Aristoteles das Feuer in organischen Zusammenhängen wirksam sieht (Körperwärme, Atmung, Ernährung, Zeugung).

Das Projekt untersucht, ausgehend von Aristoteles, die intellektuelle oder konzeptionelle Bewältigung des Naturphänomens Feuer, wobei es besonders interessiert, welche Alltagswahrnehmungen und Erklärungsmodelle dabei eine Rolle spielen. Es ist für die Untersuchungsmethode des Aristoteles, aber auch vieler anderer griechischer Intellektueller wesentlich, dass kaum jemals eine praktische Nutzanwendung oder technische Verbesserung im Fokus steht. Es geht vielmehr ausdrücklich um die theoretische Bewältigung der wahrgenommenen Umwelt, die in der Auseinandersetzung mit früheren und gleichzeitigen Erklärungsversuchen immer wieder neu unternommen wird. Man könnte geradezu von einer Kultur der intellektuellen Bewältigung sprechen.

Stellung innerhalb der Area: Das Teilprojekt bietet eine Ergänzung zu den übrigen hier versammelten Untersuchungen, weil es aufgrund der literarischen Quellengrundlage schlaglichtartig die intellektuellen Herausforderungen einer zu zähmenden Umwelt (Feuer) vor Augen führt und dabei besonders auf deren Konzeptualisierung abheben kann. Feuer spielt umgekehrt im Projekt von Christopher Pare (Technologische Innovationen) eine Rolle, was dem vorliegenden Teilprojekt wiederum als Input dienen kann.